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Ohne Rücksicht auf Verluste

Auch wenn sich die Pleiten häufen: Die Jungmilliardäre der New Economy legen jetzt erst so richtig los.

Von Dolores Haase

Frankfurt/Mainhatten, Partytime. Der In-Club "maximize" läuft über vor Investment-Bankern, Internet-Unternehmern und Webscouts. Auf der Tanzfläche werden neue Geschäftsbeziehungen aufgebaut, an der Bar die Strategien für künftige Großvorhaben besprochen. Bei Prosecco, Kaviar vom ausgestorbenem Stör haben sich im Lärmgemisch von New-Economy-Industrial, Fromp™  und WAP-Handyklingeln alle um den Star der Szene versammelt: Den 27jährigen Lars Hessbach, der bereits jetzt zu den Großverdienern der Branche zählt.

Seine zündende Geschäftsidee hatte Hessbach mit einem Internet- Portal, über das man gebrauchte Särge mieten kann. Finanziert werden soll das ganze durch Werbebanner. Hessbachs Bilanz ist atemberaubend: Drei Jahre nach Gründung seines StartUps erwirtschaftet er 200.000 Dollar Jahresumsatz bei 3 Milliarden Verlust. "Gestorben wird immer!", verkündet der joviale Hessbach zwischen zwei Glas Moët zuversichtlich. "Wahrscheinlich werden wir eventuell in absehbarer Zeit vielleicht sogar unter Umständen einmal schwarze Zahlen schreiben. Sozusagen passend zum Geschäft."

Grund zum Optimismus hat er nicht unbedingt. Seit der letzten Krise des Neuen Markes achten manche Anleger mehr auf die Wirtschaftlichkeit der Neuen in den Nemax-Charts. Gerade noch rechtzeitig hat es Hessbach geschafft: Ihm vertrauten die Investoren blind und zückten ohne viel Federlesens gleich ihr Scheckbuch. Das Geld hatte er ausnahmsweise nötig. Die Eröffnungsparty seiner neuen Filiale im australischen Rotten Corner hat immerhin 17 Millionen Dollar verschlungen. "War gar nicht so leicht, Britney Spears als Table Dancerin zu engagieren", erinnert sich Hessbach und wischt sich mit seiner Versace-Krawatte die Koksspuren aus den Nasenwinkeln. "Hat aber geklappt. Nach zwei Fosters hat die sich die Klamotten regelrecht vom Leib gerissen. Ihren Höschen hab ich bei ebay versteigern lassen." Der Käufer ist ein Gebrauchtwarenhändler aus Halberstadt.

Ähnlich große Pläne hat Cornelia Schiller mit ihren 29 Jahren. Im Internet hat sie einen eShop aufgezogen, der guatemaltekische Brautkleider und kaputte Rasenmäher im großen Stil an bankrotte Singles vermittelt. Zwar ist "WeDreLaMo.Com" noch nicht profitabel, Cornelia Schiller spekuliert jedoch vorerst auf eine Finanzierung durch Werbebanner. Ihre Bilanz steht der Hessbachs in nichts nach, im Gegenteil: Nahezu ohne Umsatz hat der Verlust schon die 4-Milliarden-Grenze durchbrochen. Frauenpower online. "Total geil!", kommentiert Chefin über 30 Angestellte ihren Geschäftserfolg. 

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