New Economy
"Unser Ziel bleibt die Weltmarktführerschaft"
Sind Firmen, die Software für unentbehrliche mobile Geräte mit Internet-Anschluss herstellen, zukunftsträchtig oder dazu verdammt, eines grausamen Todes zu sterben? computer.NJfzS sprach mit Andreas Söller, Chef des Haettenschweilerer Unternehmens FaceLess Soft AG, deutscher Marktführer für Betriebssysteme mobiler Kommunikationslösungen, über Aussichten der New Economy, m-Commerce, illegale Aktiengeschäfte und futuristische Glühbirnen.
Herr Söller, FaceLess Soft ist vom Lieblingskind zum Buh-Mann der New Economy herangewachsen. Führende Analysten beobachten die Marktchancen des m-Commerce mehr als skeptisch. Wie sieht für FaceLess Soft die Zukunft aus?
Zur Person |
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Andreas Söller, 34 Studium der Theologie, Wirtschaftsinformatik und Sportwissenschaften (abgebrochen) 1995-1997 Versandhaus für Kinderpornographie eToyBoys.com, Böblingen (eingestellt aufgrund rechtlicher Probleme) 1997 Rack-Manager bei Lidl, Böblingen 1998 Gründung von FaceLess Soft, Haettenschweiler/New York |
Söller: Die Geschäftslage hat sich sicher in den letzten Monaten etwas verschlechtert. Mit der Hochstimmung am Neuen Markt ist aber leider auch die Vernunft verflogen. Was früher in den Himmel gejubelt wurde, wird heute in Bausch und Bogen verdammt. Es ist viel schwerer, potentielle Investoren von der Sicherheit ihrer Anlage und den erwarteten Erfolgen von FaceLess zu überzeugen. Die negative Medienberichterstattung derzeit ist da nicht gerade hilfreich und geht völlig an der Wirklichkeit vorbei.
Tun das auch die Kritiker, die behaupten, Sie hätten vor dem letzten Wertverfall recht großzügig und am Rande der Legalität Aktien gegen Bargeld eingetauscht? Oder die Berichte, Sie hätten die Aktionäre zu spät darüber informiert, dass das Unternehmen seine Umsatz- und Ertragserwartungen für das letzte Quartal mehr als deutlich reduzieren musste?
Söller: Diese Vorwürfe sind absolut ungerechtfertigt und verleumderisch, und ich werde mich juristisch dagegen zur Wehr setzen. Meine Frau hat ein kleines Kontingent aus ihrem Depot veräußert, aber das hat sie ohne Rücksprache mit mir und völlig ohne Kenntnisse der neuesten Geschäftszahlen ganz spontan gemacht. Auch ich habe wie viele Kleinanleger sehr viel Geld verloren.
Aber gegen ihren Bruder und Teilhaber Frank Söller ist Anzeige wegen Insiderhandels erhoben worden.
Söller: Wegen angeblichen Insiderhandels. Aber zu dem laufenden Ermittlungsverfahren kann und will ich mich nicht weiter äußern.
Haben Sie bei der wirtschaftlichen Lage und den anderen Querelen überhaupt noch Grund zum Optimismus?
Söller: Oh ja, mittlerweile zeigen sich deutliche Zeichen der Besserung am Aktienmarkt. Und auch unsere Geschäftsaussichten sind noch immer glänzend. Zum Beispiel zeigt eine aktuelle Studie, dass künftig nahezu alle Internetsurfer ihre sämtlichen Einkäufe nur noch online tätigen wollen. Dementsprechend groß ist auch der B2C-Markt für mobile Geräte. Früher oder später macht sich das sicher auch bei unserem Aktienkurs bemerkbar. Theoretisch kann alles, was irgendwie Strom verbraucht, auch ans Internet angeschlossen werden.
Also gibt es trotz allem in der Branche noch Visionen?
Söller: Natürlich! Zum Beispiel eine Glühbirne, die automatisch ein Ersatzexemplar nachbestellt, kurz bevor sie kaputt geht. Wie oft sitzt man im Dunkeln, weil keine Ersatzglühbirnen im Haus zu finden sind? Das muss man auch einmal unter Sicherheitsaspekten sehen. 29 Prozent der tödlichen Unfälle im Haushalt passieren, weil keine Ersatzglühbirne im Haus zu finden war und die Leute sich den Hals brechen.
Wird das nicht für den End-Anwender viel zu teuer?
Söller: Wie viel ist Ihnen denn ein Menschenleben wert? Außerdem liegt der Preis einer Internetglühbirne nur um 1.800 Prozent über der einer gebräuchlichen Spezialenergiesparlampe aus dem Fachhandel. Und mit welcher Glühbirne kann man nebenher auch noch persönliche Termine überprüfen, e-Mails oder Aktienkurse abfragen sowie Bücher bestellen oder Rough-Zaan-02-Files abspielen? Das Problem sind nicht fehlende Absatzchancen, sondern die teilweise immer noch sehr technikfeindliche, pessimistische Gesellschaftshaltung in Deutschland.
In den USA scheint es aber auch nicht allzu gut zu laufen. Immerhin mussten Sie Ihre dortige Dependance in Seattle schließen und sich auf Ihren Hauptsitz in Haettenschweiler zurückziehen.
Söller: Zugegeben, das US-Geschäft hat sich nicht sonderlich optimal entwickelt. Vor allem unser B2B-Potential ist dort nicht richtig erkannt und angenommen worden. Aber die ganze Standort-Diskussion wurde von der Presse sehr reißerisch aufgemacht. Fakt ist: In Haettenschweiler können wir uns besser auf unser Kerngeschäft konzentrieren als in unserem Headquarter in Seattle. Unser Ziel bleibt trotz allem die weltweite Marktführerschaft für Mobilsoftware. Was mobil ist, wird mit den OS von FaceLess laufen.




