Goethe und kein Ende...
Liebe Literaturfreunde,
angesichts der unglaublichen Fülle, mit welcher der interessierte Literatur- und v. a. Goethe-Kenner überflutet wird, hat sich das NJfzS entschlossen, seinerseits eben jene Fülle noch etwas zu vermehren.
Allerdings wollen wir unsere geliebte Leserschaft nicht mit Details wie "welches war sein Lieblingsgericht" langweiligen oder mit pseudoproblembeladenen, hochgebildeten Gesinnungsaufsätzen wie "Goethe - der erste wirkliche Demokrat?" oder "Goethes Bedeutung für den heutigen jungen Menschen" belästigen.
Die Kollegen der etablierten Literaturwissenschaft haben sich dankenswertherweise in geheimen Staatsarchiven auf die Suche gemacht und für uns ein paar bislang unveröffentlichte Dokumente ausgegraben, die einmal mehr die unglaubliche menschliche Größe des Olympiers enthüllen.
Zwar mögen diese Funde die offiziellen, in den gebräuchlichen Goethe-Ausgaben unserer Zeit abgedruckten Zeugnisse als plumpe Fälschungen prüder Literaturwissenschaftler und Kulturfetischisten Lügen strafen, aber wir können auch nicht mehr, als endlich die Wahrheit zur Sprache kommen zu lassen - ab heute müssen weite Teile der deutschen Literaturgeschichte neu geschrieben werden.
Eine neue Perspektive auf den Alltagsmenschen Goethe erlaubt dieser kurze Brief an seinen Weimarer Briefmarkensammel-Clubbekannten Waldemar Ellinghof (1752-1823):
Weimar, am 15then J. [uli 1802]
Lieber Ellinghof,
für unsere morgige Zusammenkunft muss Er mich entschuldigen - da spielt Kayserslauthern gegen Dynnamo Dresden, und ich habe mit Schiller um dreyn Thaler gewettet, auf dass die Sachsen gewönnen.
Aber ich besuche Ihn gerne am Wochenend, sofern Seine Gemahlin wieder diesen köstlichen Streuselkuchen bereytet. Abendts können wir ja grillen, sofern das Wetter uns behagen möchte: ich will auch eine besonders gute Schweynswurst mitbringen.
Mit vielen lieben Grüssen
Ihr
Goëthe
Dass sich das naturwissenschaftliche Interesse Goethes auch auf andere Gebiete erstreckte als auf die bislang bekannten, zeigt die folgende Tagebuchnotiz:
24. Aug. [1794]
H.[erder] glaubt Felsenfest, dass es nicht ein Moegliches sey, bei einem Menschen eine Geschlechtsumwandtlung vornehmlich zu machen. Allein mir werden sehen! Nächsten Monntags kömmt der Chirurgius Huschke hierher, und ich hab schon ein Taglöhner gefunden, der gege ein paar Gr. das Gegentheil an seiner person beweysen lassen will.
Eine Woche später muss Goethe allerdings zugeben:
1. Sept.
H.[erder] hat wohl doch recht gehabt. Der Taglöhner Ullrich Schmidt ist, unter den Händen von Huschke, jämmerlich verblutet. So ein Scheyß! H., dieser zÿnische Drecksack, zog mich noch den ganzn Abend damit auf. Wenigstens war er mir behülflich, die Leich im Garten zu vergraben, auf das niemand etwas merke.


