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Bungeejumping ohne Seil? Langweilig. Paragliding mit kaputtem Fallschirm? Bocklos. Rasierklingen-Wettessen? Für'n Arsch. Es gibt nur eine wirklich coole, neue Fun-Trend-Extrem-Sportart:

Death-Diving

Für Warmduscher und Sonnencreme-Benutzer ist dieses Event nichts. Ganz anders die Nichtschwimmer: Die sind wirkliche Cracks, was den neuen Extremsport aus den U.S.A. angeht. Von 20 bis 50 Meter hohen Felsenklippen springen wagemutige Sportler mit einem Stein am Hals in haiverseuchte Gewässer.

Zum Sterben schön: Traumküste auf den Antillen
Zum Sterben schön: die Traumküste auf den Antillen

Und das alles nur für den letzten Kick? Klaro. Am Widows-Cliff auf Martinique haben sich vier coole junge Leute versammelt, die Death-Diving einmal antesten wollen. Ulrike, Dirk, Manuela und Andreas machen sich auf den Weg zur Spitze der Klippe. "Ist eigentlich Scheiße, die schweren Steine da hochzuschleppen", meint der Andreas, 25 Jahre alt und Medizinstudent aus Herne. "Aber zum Glück sind die Eingeborenen hier nach dem letzten Hurricane so verarmt, dass sie für ein paar Cent die erniedrigendsten Arbeiten machen." Cool.

Trendy: Klippenspringen auf ganz neue Art
Trendy: Klippenspringen auf ganz neue Art

Oben auf der Klippe wird die Gruppe von der tollen Aussicht gefangengenommen. Dreißig Meter geht es in die Tiefe. Dirk, 24, Freizeitmodel aus Köln, gibt erste Ratschläge: "Ihr müsst aufpassen, dass ihr auch ins Wasser fallt. Wenn ihr vorher auf den Felsen zerplatzt, ist das Ganze sinnlos." Verständnisvolles Nicken. Keine Angst? "Das gehört dazu", meint die 23jährige Ulrike, die ein Semester ihres Jurastudiums in München für Death-Diving opfert, mit Kennerblick. "Ohne Fear kein Klick." Nur Andreas zuckt kurz zusammen, als Dirk ihm die Schlinge um den Hals festzieht. Der Stein am anderen Ende des Seiles wiegt immerhin 60 Kilo. Und das Seil selbst darf nicht zu lang sein. "Wir wissen ja nicht, wie tief das Wasser unten ist", meint Dirk. "Es wäre echt blöd, wenn man einfach so wieder an die Oberfläche könnte."

Spannungsmomente: Krakenangriffe bringen Extrapunkte
Spannungsmomente: Krakenangriffe bringen Extrapunkte

Dann geht's los. Manuela, die 27jährige Werbekauffrau aus Berlin, stürzt sich mit dem Stein und einem Todesschrei in die Tiefe. Die andern sehen ihr gespannt nach, wie sie dreißig Meter weiter unten in der Gicht verschwindet. Jetzt kommt es auf alles an: Angriffe von Haien oder Kraken bringen Extrapunkte, hat die Küstenwache die Todesmutigen entdeckt, droht Punktabzug. Doch Manuela scheint Glück zu haben: Zwar sind Meeresräuber nicht in Sicht, aber das Baywatch-Team von Martinique ist beim letzten Hurricane selbst ertrunken. Nach sieben Minuten taucht noch immer niemand auf, weder ein Lebensretter noch Manuela.

Death-Diving
Best Age: 18 bis 30 Jahre
Locations: weltweit, einzige Vorraussetzungen sind hohe Klippen und Wasser
Practice: Im örtlichen Swimmingpool mit 10-Meter-Brett, vorher den Bademeister um Erlaubnis fragen
Equipment: Stein (mindestens 75 Prozent des eigenen Körpergewichtes), Seil, Beachdress
Additionals: Bleisohlen, Haiköder, Depressiva, Grundkenntnisse in Wiederbelebung oder Erbrecht

Oben auf der Klippe steigt die Freude über Manuelas gelungene Action. Sie hält sich eisern unter Wasser. Nicht einmal kleine Luftbläschen sind zu sehen. So ein irres Erlebnis wollen alle anderen der fröhlichen Gruppe natürlich gleich auch abchecken. Ohne zu zögern springt Andreas von der Klippe, kommt aber nicht so gut weg - auf halbem Wege prallt er gegen die Felsen. Pech für ihn, denn das ist beim Death-Diving streng verboten. "Normalerweise heißt das jetzt: disqualified", erklärt Dirk. "Wir sind hier ja nicht beim Body-self-smashing. Aber weil es sein erster Sprung ist, kann man da nachher sicher zwei Augen zudrücken."

Fütterungszeit: Die Haie warten schon.
Fütterungszeit: Die Haie warten schon.

Trotzdem macht Andreas gleich wieder Punkte, als sein Blut doch noch ein paar Haie anlockt. Abwartend kreisend ragen mehrere silberglänzende Rückenflossen aus den Wellen. Andreas selbst bleibt unbeirrt und tapfer unter Wasser. Dafür gibt es jetzt für die letzten zwei kein Halten mehr. Durch Andreas' glänzende Vorarbeit haben sie leichtes Spiel und tauchen ab, ohne in die gefährliche Nähe der schroffen Felswand zu geraten. Das Wasser brodelt noch einmal auf, dann herrscht wieder Ruhe am Widows-Cliff von Martinique.

4:1 - kein schlechtes Ergebnis. Aber ist Death-Diving wirklich nur etwas für Todeskandidaten? Von wegen! Manuela hat sich irgendwie losgerissen, wird an Land gespült und geborgen. Danach geht's ab in ein hippes Berliner Pflegeheim - schließlich liegt sie für nächsten Jahrzehnte im Wachkoma. Aber ihre Eltern sind sich sicher: Sobald sie wieder bei Bewusstsein ist, will sie es noch mal versuchen. Cool.

 
 

 

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